Filmstart am 16.6.

Josep

Frankreich/BE/ES 2020
71 Min.

Inhalt

Ein sterbender Gendarm namens Serge erzählt seinem Enkel von der Begegnung mit dem katalanischen Maler und Karikaturisten Josep Bartolí. Nachdem Franco die Macht in Spanien übernommen hatte, floh Bartolí 1939 nach Südfrankreich. Dort wurde er wie viele andere spanische Antifaschisten, Kommunisten und Anarchisten unter unmenschlichen Bedingungen in einem Internierungslager festgehalten. Serge, der Gendarm und Bewacher der Gefangenen, freundet sich mit dem Maler an, handelt sich Ärger mit seinen Vorgesetzten ein und verhilft Bartolí später zur Flucht.

 

Die Erinnerungen des alten Mannes sind bruchstückhaft, episodisch. Man bekommt es nicht mit der Rekonstruktion einer Biografie zu tun, sondern mit den Szenen eines Lebens. Der Stil der Animation passt sich dieser Erzählweise an. Aurel, der auch als Cartoonist bei Le Monde arbeitet, skizziert mit schnellen Strichen und pulsierenden Umrissen eher Situationen, als sie realistisch abzubilden. Auch orientiert sich der Film an den Zeichnungen, die Bartoli im Lager machte. Serge wird den Freund nicht nur mit Nahrung, sondern auch mit einem Schreibblock und einem Stift versorgen. Das Flüchtige der Animation lässt das Grauen umso mehr erahnen. Sieht man die Männer am Stacheldraht, setzt man selbst im Kopf das Lager weiter zusammen. Wenn ein kleiner Hund vorbeiläuft und im nächsten Bild die Häftlinge an einem Knochen nagen, ist der permanente Hunger in Szene gesetzt. Doch arbeitet der Film auch mit Überhöhungen, etwa wenn sich das Gesicht eines gewalttätigen Polizisten in einen Schweinskopf verwandelt. Immer wieder gibt es auch schöne Momente, zum Beispiel ein heimlicher Flamenco-Abend – plötzlich füllen Heimatgefühle das Bild aus.

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